Die Hüterin der Geschichten

Die Hüterin der Geschichten
Roman
Jen hat sich aus einer kärglichen Kindheit in den Blue Ridge Mountains hochgearbeitet und ist Lektorin in einem renommierten Verlagshaus in New York. Eines Tages findet sie ein altes Manuskript auf ihrem Schreibtisch. Unweigerlich zieht sie die faszinierende, mysteriöse Liebesgeschichte eines Paares, das sich am Ende des 19. Jhs. in den Appalachen begegnet, in ihren Bann. Doch die Suche nach dem anonymen Autor führt Jen ausgerechnet an die Orte, die sie zu vergessen versucht.

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1
Das ist eine Sternstunde. Und der Ort, an dem ein Zauber Wirklichkeit wird.
Dieser Gedanke breitete sich sanft, fast unmerklich in mir aus, so wie der Hintergrund, der das Motiv eines Fotografen erst richtig zur Geltung bringt. Seine schimmernden Ränder erregten meine Aufmerksamkeit und erinnerten mich an einen Rat von Wilda Culp, ohne die ich an einem völlig anderen Ort gelandet wäre. An einem verhängnisvollen Ort.
Es ist wirklich erstaunlich, wie ein einziger Mensch und ein paar Geschichten ein Leben verändern können.
Der Trick besteht darin, Jennia Beth Gibbs, die Sternstunden in vollen Zügen zu genießen, so wie sie kommen.
Ich hörte ihre Stimme wieder, mit ihrem tiefen, trägen Carolina-Akzent, der die überraschende Melodie einer längst vergangenen Zeit in sich trug.

Es gibt nichts Traurigeres im Leben, als diesen Momenten nur hinterherzusehen.
Sternstunden sind immer vergänglich.
Mein erster Nachmittag in der Kampfarena des Verlages "Vida House" war eine solche Sternstunde. Das fühlte ich, das wusste ich, noch bevor George Vida durch die Tür schritt und seinen Platz an der Stirnseite des Tisches einnahm, um die wöchentliche Teamsitzung zu beginnen. Meine erste Sitzung bei Vida House. Sie würde anders verlaufen als jede andere Sitzung, an der ich in den letzten zehn Jahren in einem halben Dutzend Verlagen in verschiedenen anderen Wolkenkratzergebäuden in Manhattan teilgenommen hatte.
Hier lag ein Zauber in der Luft.
George Vida stützte die Hände auf den Tisch, bevor er sich setzte und seinen Blick mit der Aufmerksamkeit einer alten, faltigen Ziege auf der Suche nach etwas zu Knabbern durch den Raum schweifen ließ. Sein Blick blieb einen Moment an einem hohen Berg aus alten Umschlägen, Manuskriptschachteln und losen Blättern, die mit Gummi zusammengehalten waren, auf der anderen Seite des Konferenzraums hängen. Dieser sonderbare Papierberg trug wie so viele andere Dinge zum Ruhm von Vida House bei. Er war eine Besonderheit, die ich bis zu diesem Tag nur vom Hörensagen gekannt hatte. Er war einer der wenigen noch verbliebenen Papierberge in ganz New York City, vielleicht sogar in der gesamten Verlagswelt. Im Zeitalter der E-Mail-Kommunikation waren Archive mit bedrucktem Papier heimlich, still und leise ausgestorben wie die Dinosaurier. Digitale Archive waren platzsparender, leichter zu verwalten, effizienter. Unsichtbar. Auf ihnen lagerte sich kein Staub ab wie auf den langsam vergilbenden Fragmenten von George Vidas Reliquiensammlung.
Und hier sehen Sie "Slush Mountain", einen Berg mit alten, unverlangt eingesandten Manuskripten, hatte der junge Praktikant erklärt, der mich als neue Mitarbeiterin durch das Gebäude geführt und mit einer theatralischen Handbewegung auf den Stapel gedeutet hatte. Er ist schon so etwas wie eine Touristenattraktion. Dann hatte er sich vertraulich zu mir gebeugt. Aber ich rate Ihnen, dass Sie das nie vor dem Chef erwähnen. George Vida liebt diesen Papierberg. Niemand - wirklich niemand! - rührt ihn an. Niemand fragt, warum der Berg im Konferenzraum so viel Platz einnehmen darf. Wir tun alle einfach so, als wäre er nicht da. Wie der berühmte Elefant im Raum - das Offensichtliche, was niemand anzusprechen wagt.
Slush Mountain war wirklich ein eindrucksvoller Elefant. Wenn man bedenkt, dass Immobilien in Manhattan sehr kostbar sind, nahm er erstaunlich viel Raum ein. Seine Spitze reichte fast bis zur antiken Metalldecke hinauf. Von dort aus breitete sich die Sammlung langsam nach außen und unten aus und verbannte den Konferenztisch und die Stühle auf die restlichen drei Viertel des Raumes.
Diese Information des Praktikanten war mir nicht neu. George Vida (mir war aufgefallen, dass jeder, der hier von ihm sprach, beide Namen benutzte und nie nur den Vornamen oder nur den Nachnamen nannte) behielt seinen Berg, um die Jüngeren, die in eine digitale Welt hineingeboren worden waren, an zwei Dinge zu erinnern: erstens, dass nicht rücksendungspflichtige Manuskripte deshalb nicht rücksendungspflichtig sind, weil sich jemand nicht exakt an die Einsendevorgaben gehalten hatte, und zweitens, dass man in der Verlagswelt nur Erfolg hat, wenn man jedes Blatt umdreht und jeden Umschlag öffnet. Slush Mountain war eine sichtbare Erinnerung daran, dass Verlagsarbeit ein mühsamer Liebesdienst ist, mit der Betonung auf mühsam. Der Aufstieg zu einer Position, in der man vielleicht den nächsten großen Bestseller entdeckt und tatsächlich den Ruhm dafür einstreicht, ist ein mühsamer Kampf.
"Ist alles so, wie du es dir vorgestellt hast?" Roger beugte sich vom Platz neben mir herüber und deutete unauffällig auf den Papierberg. Roger und ich waren vor zehn Jahren Kollegen gewesen, als wir beide unsere berufliche Laufbahn in einem großen Verlagshaus begonnen hatten. Er war von Princeton gekommen und schon damals schlau und selbstbewusst gewesen, ein weltgewandter Junge aus Long Island, dem die Verlagsarbeit praktisch im Blut gelegen hatte. Ich hingegen war der naive, rehäugige, dunkelhaarige Neuling gewesen und hatte eher wie eine Statistin in einem Heimatfilm als wie eine angehende New Yorkerin gewirkt.
Ich nickte, konzentrierte mich aber auf George Vida. Ich würde mich nicht dazu verleiten lassen, an meinem ersten Tag bei einer Teambesprechung zu schwätzen. Oder mit offenem Mund Slush Mountain anzustarren. Außerdem war ich nie ganz sicher, ob Roger ein Freund oder ein Konkurrent war. Vielleicht war ich auch einfach nur neidisch. Ich war jahrelang nicht von Sachbüchern und Biografien weggekommen, während Roger es geschafft hatte, je nach Lust und Laune mühelos zwischen Sachbüchern und Romanen zu wechseln.
Mit meinen einunddreißig Jahren sehnte ich mich nach etwas Neuem. Nach einer Abwechslung.
Mein Handy verkündete piepend, dass ich eine SMS bekommen hatte. Ich brachte es schnell zum Schweigen.
Aber nicht schnell genug. Aller Augen richteten sich auf mich. Der Moment erschien mir viel länger, als er wahrscheinlich in Wirklichkeit war. Das Herz schlug mir plötzlich bis zum Hals und hatte seine Frequenz verzehnfacht. Das war eine instinktive Reaktion von mir, die mir signalisierte, den Kopf einzuziehen, zurückzuweichen und mich in Sicherheit zu bringen, bevor eine Hand vorschnellen, mich am Arm packen und ihn schmerzhaft zusammendrücken konnte. Einige Gewohnheiten lassen sich nur schwer abstellen, selbst wenn man einen Ort und bestimmte Menschen schon vor Jahren hinter sich gelassen hat.
Ich schaltete unter dem Tisch den Ton aus. "Entschuldigung. Normalerweise lasse ich es bei Besprechungen in meinem Büro, aber ich habe noch nicht ausgepackt." Diese Entschuldigung erschien mir plötzlich wie eine faule Ausrede. Zweifellos piepte
George Vidas Handy nie bei einer Besprechung.
Ein plötzliches Rascheln und ersticktes Stöhnen machte am Tisch die Runde, während sich alle offenbar auf etwas vorbereiteten. Ein entsetzlicher Gedanke schoss mir durch den Kopf. Sind Handys bei Besprechungen ein Kündigungsgrund? Das war zweifellos albern - doch ich hatte vor Kurzem meine letzte Stelle gekündigt, meine Wohnungsmiete war in einer Woche fällig und ich hatte die wenigen Ersparnisse der letzten Jahre an einen Ort geschickt, an dem sie eine traurige Situation nur zementierten.
"Schachtel!" George Vida deutete zum umgedrehten Deckel eines Druckerpapierkartons. Andrew, der Praktikant, der mich durch das Haus geführt hatte, sprang auf, nahm die Schachtel und ließ sie auf dem Tisch herumgehen. Blackberrys, iPhones und sonstige Smartphones wurden gehorsam, aber widerstrebend abgegeben. Niemand beschwerte sich, aber die Körpersprache war unverkennbar. Ich war in ein Fettnäpfchen getreten.
Das perfekte Mittel, um mich bei meinen Kollegen einzuführen! Ausgezeichnet. Jetzt vergessen sie mich bestimmt nicht mehr. Andererseits würden sie wahrscheinlich später darüber lachen und es kann nie schaden, andere zum Lachen zu bringen.
Der Praktikant drehte schnell die Handflächen nach oben, als George Vida nicht hersah. Er grinste entschuldigend und bedachte mich mit einem Zwinkern, das ein Zweiundzwanzigjähriger wahrscheinlich für verführerisch hält.
Ich bedachte ihn mit einem finsteren Blick, der ihm hoffentlich deutlich zu verstehen gab: Vergiss es, Junge! Du bist noch ein Kind. Abgesehen davon werde ich mich auf keinen Mann einlassen, mit dem ich zusammenarbeite.
Nie wieder!
Dann begann die Besprechung. Die üblichen Machtspiele folgten: Einflussreiche Lektoren bekamen Unterstützung für die größeren Projekte, die besseren Projekte, die Projekte mit echtem Potenzial. Verschiedene Mitarbeiter unterstützten die Projekte ihrer Kollegen und Bündnisse wurden sichtbar. Die Verkaufs- und Marketingspezialisten beugten sich bei einigen Argumenten, die sie vorbrachten, engagiert vor und lehnten sich bei anderen zurück. Ich beobachtete die Gruppendynamik, machte mir ein erstes Bild von dem Land am Fuß des großen Slush Mountain und war klug genug, den Mund zu halten. Vor mir und in meinem Büro lagen Verlagskataloge, Manuskripte, ein iPad und ein Laptop, die mir helfen würden, schnell auf den aktuellen Stand zu kommen. Bis jetzt hatte ich das noch nicht geschafft, aber ich war fest dazu entschlossen. Sobald der Tag zu Ende ginge und sich das Gebäude am Abend leerte, könnte ich mich ungestört einarbeiten, bevor mir die Augen zufielen, mein Magen knurrte und ich zur U-Bahn ginge, in der ich auf dem Heimweg noch ein wenig weiterlesen würde.
Wenig schlafen, früh aufstehen. Ins Büro fahren. Alles wiederholen. Bis zum Ende der Woche wäre ich einsatzbereit. Größtenteils. Bei der Teambesprechung am nächsten Montag könnte ich anfangen, etwas zu sagen. Zuerst nur wenig. Vorsichtig. George Vida mochte keine Prahlereien - ich hatte meine Hausaufgaben gemacht und mich über ihn erkundigt. Projekte an Land zu ziehen und sie auf die Bestsellerlisten zu bringen, das war der Weg, um die Gunst des alten Hasen zu gewinnen.
"Hollis, stellen Sie uns jetzt bitte das neueste Mitglied der Vida-House-Familie vor", verlangte er. Plötzlich richteten sich alle Blicke auf mich.
George Vidas Sekretärin, Hollis - stellen Sie sich eine biedere, altmodische alte Jungfer vor -, stand von ihrem Stuhl rechts hinter ihrem Chef auf. Ihre eng anliegenden grauen Haare ließen ihr dünnes Gesicht noch eckiger und härter erscheinen, als es ohnehin schon war. Ich hatte gehört, dass sie für George Vida arbeitete, seit er 1967 den Familienbetrieb übernommen und angefangen hatte, ihn zu dem Multimillionen-Unternehmen auszubauen, das der Verlag heute darstellte.
Hollis? lange, dünne Finger bogen sich auf der Tischplatte nach hinten durch. Ihre Miene war genauso stoisch und distanziert wie am Morgen, als sie die Mappe mit den von mir unterschriebenen Verträgen und Papieren durchgesehen hatte.
Ihr Blick wanderte durch den Raum. "Jen Gibbs kommt von der Sachbuchabteilung bei Stanislaus International zu uns. Sie bringt zehn Jahre Erfahrung im Bereich Biografien und historische Sachbücher mit. Ihr Studium hat sie an der Universität von New York abgeschlossen, wo sie Stipendiatin der Aberdeen Fellowship für Kunst und Literatur und der Steinbeck Fellowship war. Wir freuen uns, sie in unserem Team begrüßen zu dürfen." Ihr Blick blieb an mir hängen. Er war weder erfreut noch ablehnend. "Wenn Sie uns jetzt noch ein paar Dinge über sich erzählen, die nicht in Ihrem Lebenslauf stehen, Jen, wäre das sehr nett."
"Danke." Ich rang für den Bruchteil einer Sekunde mit mir, ob ich lieber sitzen oder stehen sollte, und beschloss dann, dass Stehen sinnvoller war. Auf diese Weise konnte ich den ganzen Tisch überblicken, denn der Kontakt zu den Kollegen ist der erste wichtige Schritt zum Erfolg in einem neuen Haus.
Ich fasste meine bisherige Verlagsarbeit zusammen, während ich die ganze Zeit im Hinterkopf nach etwas Interessantem kramte, das ich einfließen lassen könnte, damit es nicht so klänge, als lebte ich nur für meine Arbeit - auch wenn es so war und auch wenn ich das so wollte. Wenn man das, was man tut, liebt, stört es einen nicht, sich voll in seine Arbeit zu investieren. Aber in solchen Momenten wünschte ich tatsächlich, ich könnte etwas Farbe in meinen Lebenslauf bringen. Kinder, ein Haus, ein klassisches Hobby wie Rosenzucht oder so etwas. Eine Anekdote aus der Kindheit, die meine Liebe für Geschichten erklärt. Etwas, das mit Gutenachtgeschichten und einem Lieblingsbuch zu tun hat, das man zum Geburtstag geschenkt bekam.
Es war nett, sich so etwas auszumalen, aber damit war das Pro-blem nicht gelöst. Wenn die Vergangenheit tabu ist, ist es kompliziert, etwas über das eigene Leben zu erzählen.
Schließlich entschied ich mich für eine knappe Schilderung einer abenteuerlichen Wanderung auf einen Berggipfel in Colorado, um Tom Brandon zu überreden, seine berühmten Memoiren, um die sich mehrere Verlage bemüht hatten, von Stanislaus herausgeben zu lassen. Das war einer meiner größten beruflichen Erfolge gewesen, aber ich habe auch selten so nahe davorgestanden, tödlich abzustürzen.
"Man hat nicht wirklich gelebt, solange man nicht in einem Schneemobil von einem Berg gerutscht ist und vierundzwanzig Stunden einen Schneesturm ausgesessen hat", fügte ich hinzu. Ich wusste genau, dass meine neuen Kollegen annehmen würden, dass ich in jener Nacht in den Bergen eine völlig unbekannte Welt kennengelernt hätte. Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein. Seit jenem Erlebnis wusste Tom Brandon Dinge über mich, die sonst niemand von denen wusste, die ich als Erwachsene kennengelernt hatte. Ich muss ihm zugutehalten, dass er in den vielen Interviews und dem ganzen Medienrummel um das Buch kein Wort darüber verloren hat. In gegenseitigem Einvernehmen behielten wir die Geheimnisse des anderen für uns: Der Actionheld Tom Brandon benahm sich im Wald wie ein Baby. Und ich war ein Naturmädchen, das sich als Großstädterin verkleidete.
"Die Suche nach uns und unsere Rettung bescherten dem Projekt eine starke Publicity, auch wenn ich sagen muss, dass diese Nacht im Wald wirklich unangenehm kalt war", schloss ich. Meine Kollegen lachten. Alle außer Roger. Ich hatte ganz vergessen, dass er damals für einen Konkurrenzverlag um die Buchrechte gekämpft hatte. Ich hatte gewonnen.
Als die Besprechung beendet war, beugte er sich wieder nahe zu mir herüber. "Ich habe dir die Sache mit Tom Brandon nie ganz verziehen. Das war einfach brillant."
"Komm schon, Roger! Du weißt, dass es nicht oft vorkommt, dass ich tatsächlich einen unserer kleinen Wettkämpfe gewinne." Es war das übliche Liebe-und-Hass-Spiel. In einer konkurrierenden Branche sind Kollegen oft wie Geschwister, die sich die halbe Zeit die Augen auskratzen wollen und die andere Hälfte der Zeit begeistert miteinander spielen.
Roger legte kurz den Arm um mich. "Aber das war gut so. Dass ich diesen Vertrag nicht bekam, hat mich davon überzeugt, dass ich mich mehr auf Romane spezialisieren sollte."
Ein schneller, kleiner Seitenhieb. Oh, wie das wehtat! Er wusste, dass ich schon immer Geschichten im Blut hatte, dass Romane mein eigentlicher Traum waren, aber wenn man auf einem Gebiet Erfolg hat und Rechnungen bezahlen muss, ist es schwer, sich auf unbekanntes Terrain zu wagen.
Roger ertappte mich dabei, wie ich einen verstohlenen Blick auf Slush Mountain warf. "Faszinierend, nicht wahr?" Sein Atem streifte mein Ohr, er roch nach Pfefferminz. Aber er war unangenehm nahe.
"Ja, das stimmt."
"Lass unbedingt die Finger von dem Papierberg. Er ist das Heiligtum des Alten." Eine schnelle Warnung, dann war er fort.
Ich wollte auf eine Gelegenheit warten, dem Chef zu sagen, wie sehr ich mich freute, hier zu sein. Doch er und Hollis waren auf der anderen Seite des Tisches in ein Gespräch vertieft. Deshalb packte ich meine Sachen zusammen und begab mich zur Tür.
"North Carolina", sagte George Vida laut, kurz bevor ich die Tür erreichte. Ich blieb abrupt stehen und drehte mich um.
Der Chef schaute mich an, während Hollis weiter in ihren Papieren blätterte und wegen der Unterbrechung leicht frustriert zu sein schien.
Ein dicker, fleischiger Finger deutete in meine Richtung. "Das habe ich gehört." Er tippte an sein Ohr. "Ich habe ein gutes Gehör für Akzente. Jetzt erinnere ich mich. Sie waren an der Clemson. Das stand irgendwo in Ihren Papieren. Vielleicht hat es aber auch Hollis erwähnt."
"Es muss in den Papieren gestanden haben", bemerkte Hollis trocken.
Der Chef lächelte mich mit seinen runden Wangen an und erinnerte mich in diesem Moment an die Miene von Vito Corleone in Der Pate. "Ihr beiden Mädchen aus North Carolina solltet unbedingt miteinander plaudern. Es geht doch nichts über Erinnerungen an die alte Heimat." Immer noch lächelnd, widmete er sich wieder seinen Papieren, ohne zu bemerken, dass weder Hollis noch ich ein Wort über die alte Heimat verloren.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir uns nicht so bald zu einem gemütlichen Plauderstündchen bei einer Tasse Tee zusammensetzen würden.

Produktdetails:

Bestellnummer: 331593
EAN: 9783868275933
Produktart: Buch
Veröffentlichungsdatum: 2016/05
Format: 13,5 x 20,5 cm
Einbandart: Paperback
Seitenzahl: 380
Neuheit: Nein
Autor/Interpret: Lisa Wingate

Bewertungen

Kundenmeinungen 3 item(s)

Geschichten bleiben bestehen Kundenmeinung von LEXI / (Veröffentlicht am 10.09.2016)
„Wenn man den Ort, wo man aufgewachsen ist, verlässt, kann man die eigene Geschichte neu schreiben, ganze Seiten der Vergangenheit zerknüllen, wegwerfen und so tun, als hätte es sie nie gegeben.“

Die einunddreißigjährige Single-Frau Jennia Beth Gibbs hat … weiterlesen
Irgendwie ganz anders, als erwartet Kundenmeinung von peedee / (Veröffentlicht am 15.07.2016)
Jen Gibbs hat soeben als Lektorin beim renommierten Verlag Vida House begonnen. Dort gibt es eine Kuriosität, den „Slush Mountain“, einen Berg von unverlangt eingesandten Manuskripten, den niemand berühren darf. Doch dann landet ein altes Manuskript auf ihrem Schreibtisch: … weiterlesen
Lässt mein Leserherz höher schlagen Kundenmeinung von Susanne Degenhardt / Smilla507 / (Veröffentlicht am 17.06.2016)
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